Tiziana Pagano

5% menschlich,


Koproduktion mit Institut Kunst Basel
68 Seiten
Risographie, schwarzweiss Umschlag: 5-Farben-Siebdruck
1. Auflage
100 Ex.
28.-
sold

Was tun, wenn einem die Kunst plötzlich abhanden kommt? Wenn sie entschwindet, unauffindbar versickert zwischen dem Leben und den Lebensumständen? Tiziana Pagano (geb. 1984 in Basel) begibt sich mit ihrem irrlichternden Text "5% menschlich, der Rest ist Kunst" in ein geheimnisvolles Labyrinth zwischen dem Ich und dem, was Kunst sein könnte, aber nicht länger als Kunst betrachtet werden kann. Tief sitzt die Skepsis der Künstlerin gegenüber dem künstlerischen Tun. Mit einem erfrischenden, geradezu befreienden Misstrauen gegenüber rationaler Deutungshoheit findet Tiziana Pagano zu einem mäandrierenden Prozess traumwandlerischen Umherschweifens, das zu luziden Momenten irrationalen Erkennens führt. Aus überraschend paradoxen Schlussfolgerungen kristallisiert sich ein schillerndes Bewusstsein heraus über einen menschlichen Grundkonflikt zwischen Erkennenwollen und nicht Erkennenkönnen: "Ich will die Kunst loswerden, damit ich sie wieder ganz für mich allein haben kann." Tiziana Paganos Text steht in einer Tradition künstlerischer Haltungen seit dem frühen 20. Jahrhundert, welche die Kunst geradezu abweisen, um sie nochmals ganz von vorne neu zu denken. Zwar bleibt offen, in welcher Form sich Kunst unter diesen Umständen materialisieren kann, ob die "Verstofflichung" überhaupt noch erstrebenswert ist, doch hier erhebt sich eine unerschrockene Stimme, die sich der Leere der Kunst genauso beherzt gegenüberstellt, wie der Leere des Lebens. Markus Stegmann